Dorfnacht (anhaltinisch)

In naher Ferne, gemessen am
Abstand der Häuser nur,
heult ein einsamer,
unzufriedener Hund.

Im Garten Eden,
dem des Nachbarn,
bewegt der Wind
die Blätter sacht.

Weit draußen,
auf freiem Felde,
geht nächtens es um:
Dort verirrten, vor mehr
als dreihundert Jahren,
zwei Liebende sich.

Die Kaiserlichen aber,
waren nicht weit.

Mit letztem Blaff
versucht der Hund
die Nacht noch einmal
zu durchbohrn‘,
der Mond scheint doch
zu fehlen ihm.

In mehr als
dreihundert Jahren sind
uns näher gerückt,
nachts über die Felder,
die Kaiserlichen,
bedrohlicher noch.

Du gleichst dem Herbst

Du gleichst dem Herbst, dem Farbenfinder,
der Trauer mit Schönheit überstreicht,
in dem man träumt und neue Kraft
für kommende Zeiten finden will.

Die herbe Schönheit der Natur,
aus Deinen Zügen bricht sie vor,
als eine Gewalt, die freundlich grüßt
und sorgsam jeden Weg umfriedet.

Herbst der Hoffnung, sei beständig,
geh‘ in jedes Tal hinein!
Entdeck‘ dich weiter deiner Welt nur,
die neu dich sucht an jedem Tag.

(aus 1974)

Das gleiche Licht

Das gleiche Licht,
daß morgens findet
dich wieder, brennt
in fremden Augen.

Und trägt es seine
Sonnenfäden
zu anderen,
sie zu erhell’n,

bricht’s schmerzend sich
allein auf dir nur,
bricht’s schmerzend sich
auf deiner Haut.

Es kann niemals
im Leben gleichen,
das Licht dem Lichte
doch vereint

es Fremdes stets,
in seinem Dasein,
dem Lächeln unter
Tränen gleichend…