Bären und Wölfe rauften sich um die Herrschaft im Walde, doch konnte keine Partei die Alleinherrschaft erringen. Aus dieser Einsicht heraus schloß man einen Gewaltfrieden, doch trachtete jede Seite danach, die andere zu überlisten um der Möglichkeit vorzubeugen, daß einer von beiden durch den Frieden zu sehr gestärkt würde.
„Wir haben zwar Frieden mit den Wölfen“, meinte der Anführer der Bären, „aber nicht die anderen Tiere des Waldes. Stacheln wir sie doch zum Krieg gegen die Wölfe auf.“ „Das käme einem kompletten Vertragsbruch gleich“, mahnte ein anderer Bär, „ziehen wir lieber nur einen begrenzten Teil auf unsere Seite herüber“.
So geschah es, die Bären bemächtigten sich des Rotwilds, die Wölfe, aber, die derartige Tendenzen natürlich rechtzeitig beobachteten, des Schwarzwildes. Schließlich brachte man den Konflikt derart zum Sieden, daß es zum Kriege zwischen den jeweiligen Verbündeten von Bären und Wölfen kam. Dieser dauert beharrlich wie blutig an, lediglich die Füchse ließen sich nicht endgültig integrieren. Wechselweise helfen sie beiden Seiten, vermeiden jegliches Übergewicht und warten vergnügt darauf, daß ihre eigene Herrschaftsstunde kommen möge….“
Kategorie: Kurzprosa
Das Parlament der Tiere
Als der König der Tiere, der Löwe, an den Folgen seiner gewaltigen Gefräßigkeit verstorben war, kamen seine ehemaligen Untertanen zusammen, um zu beratschlagen, was nun zu tun sei. Einen neuen Herrscher von der gleichen Art wollten sie nicht, doch fand kein Tier einen geeigneten Vorschlag, bis sich schließlich der Fuchs zu Wort meldete. Er meinte, in Zukunft solle nicht ein Tier, sondern eine ganze Gruppe die Regentschaft verwalten. Der Vorschlag gefiel, bestimmt für das Ehrenamt wurden Fuchs, Wolf, Faultier, Hase und Papagei.
Dem müden Faultier war alles egal, es hängte sich an den nächsten Baum und schlief ein.
Der Papagei hatte Angst vor seinen neuen Verbündeten und flatterte ebenfalls auf einen Baum.
Der Hase, der den beiden Räubern nicht entkommen konnte, wurde prompt zerrissen.
Nun sind Fuchs und Wolf allein an der Macht und kommen doch zu keinem vernünftigen
Ergebnis, da keiner dem anderen mehr gönnt, als sich selbst.
Der Papagei hört vom Baum aus zu und plappert mal dem einen, mal dem anderen nach.
Das Faultier schläft weiter.